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Le Journal

 

« Juli 2016 »

23.07.2016
Decoding Scripture & Picture

Buchstaben und Worte, Zahlen und Chiffren, Zeichen und Symbole – seit den avantgardis­tischen Kunstbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts begegnen uns Texte und Schrift­fragmente in den vielfältigsten Äußerungen bildender Künstlerinnen und Künstler, in Malerei und Grafik, Collage und Objekt, Skulptur und Installation. Wie Sprache bzw. Schrift bildhaft werden und facettenreich als künstlerisches Material genutzt sind, davon erzählt die dies­jährige Festspielausstellung in der Galerie Mario Mauroner Contemporary Art Salzburg. Den komplexen Verstrickungen von Schrift und Bild ist bis Anfang September in den Galerieräumlichkeiten in der Residenz nachzuspüren.

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Bruno Peinado, Wild Disney
© Bruno Peinado, Courtesy: MAM

« 23.07.2016

Decoding Scripture & Picture

„Das Wort und das Bild sind eins. Malerei und Poesie sind eins“, schrieb der Autor Hugo Ball 1916 in den Dada Fragmenten, und notierte weiter: „Christus ist Bild und Wort. Das Wort und das Bild überkreuzen sich.“ Diese Feststellung impliziert zweierlei: Nämlich, dass die Wiederentdeckung der visuellen Erscheinung von Schrift als Phänomen der Avantgarde eigentlich von der Literatur ausging – und ursprünglich ein enger Konnex von Schrift und Bild zur Religion gegeben war. Denn historisch gesehen ist das Zusammenspiel von Bild und Schrift ein alt bewährtes, denkt man etwa an die mittelalterlichen Handschriften und Buchmalereien. „Für die gotischen Maler ist das Bild so selbstverständlich Wiedergabe der Schrift, d.h. der Heiligen Schrift, dass sie Schriftzeichen ins Bild hineinnehmen, sei es als Spruchband, das zwischen dem Übersinnlichen und dem Irdischen vermittelt, sei es als Schriftzug mit dem Namen der dargestellten Heiligen. Das ändert sich erst in der Renaissance mit der Einführung des perspektivischen, auf den Blickpunkt des Betrachters aus­gerichteten Bildraums. Jetzt wird das Bild zur illusionistischen Darstellung einer Szene“, erläutert der Literaturwissenschaftler Peter Bürger das Verhältnis von Schrift und Malerei.
Die Trennung von Schrift und Bild sollte lange währen. Erst um 1910 „begannen die Kubisten plötzlich, Buchstaben, Schriftrudimente, Zeitungsfetzen in ihre Bilder miteinzubeziehen, einzumalen oder einzukleben“, schrieb der Medienwissenschaftler Reinhard Döhl. Inspiriert wurden sie von den literarischen Wort-Bild-Spielereien eines Stéphane Mallarmé, der bereits vor der Jahrhundertwende mit der Sprache und ihrer visuellen Erscheinung im Hinblick auf die Typografie experimentierte. Die bildende Kunst folgte ihrerseits mit transmedialen Konzepten: „mit dem Kubismus, dem Futurismus, dem Dadaismus und vor allem auch mit dem Werk Duchamps wurden die Grundlagen dafür geschaffen, dass sich Literatur und bildende Kunst zwanglos nähern, dass die einstmals aufgestellten Grenzen zwischen visueller Repräsentation und verbaler Äußerung sich zusehends verwischen“, wie Toni Stooss ausführt.
In den modernen Kunstströmungen begannen Literatur, Grafik und bildende Kunst einander immer mehr zu durchdringen und ihre intermediale Tendenz zu festigen. Heute nutzen zahlreiche Künstler und Künstlerinnen Buchstaben, Zahlen, Worte, Texte und Ziffern in vielfältiger Weise als gestalterische Elemente, denen naturgemäß auch Bedeutung eingeschrieben ist.
Ein enger Zusammenhang von Schrift und Bild war freilich auch durch der Ausbildung der abstrakten Kunst gegeben, die sich aufgrund ihrer Gegenstandslosigkeit mit der Notwendigkeit oder dem Wunsch nach einem Kommentars konfrontiert sah, wenngleich dieser den Betrachter durchaus in die Irre führen will. Die Überschneidungen von Schrift und Bild im heutigen Kunst-Kontext sind außerordentlich vielfältig und zudem aus den Massenmedien vertraut. Dennoch stellt sich immer wieder die Frage nach ihrer Dechiffrierbarkeit. Nur vordergründig sind Schrift und Sprache einfacher zu enträtseln als das Bild. „Sprache ist das vollkommenste Instrument, um Bedeutungen zu schaffen, wie auch, um diese zu zerstören. Das Spiel mit Worten ist ein wunderbarer Mechanismus weil wir in ein und demselben Satz das Bedeutungsvermögen der Sprache preisen, nur um es gleich darauf in Frage zu stellen“, sagte Octavio Paz.
Die genre- und medienübergreifenden Arbeiten zum Thema Schrift sind im „kammer­musikalischen“ Ambiente in der Galerie Mario Mauroner Contemporary Art in der Residenz zu sehen und laden zu einer besonderen Begegnung mit zeitgenössischer Kunst ein.

Teilnehmende KünstlerInnen: Carlos AIRES • Hans BISCHOFFSHAUSEN • Daniele BUETTI • Fred EERDEKENS • Jan FABRE • Lionel FAVRE • Susy GÓMEZ • Douglas HENDERSON • Jochen HÖLLER • Markus HOFER • Brigitte KOWANZ • Hans KUPELWIESER • Ken MATSUBARA • Bruno PEINADO • Javier PÈREZ • Jaume PLENSA • Hans STAUDACHER • Günther UECKER • Vadim ZAKHAROV

DECODING SCRIPTURE & PICTURE
23. Juli bis 3. September 2016
Galerie Mario Mauroner Contemporary Art Salzburg, Residenzplatz 1
Mo–Sa 11–18 Uhr

 

 

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Decoding Scripture & Picture

Buchstaben und Worte, Zahlen und Chiffren, Zeichen und Symbole – seit den avantgardis­tischen Kunstbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts begegnen uns Texte und Schrift­fragmente in den vielfältigsten Äußerungen bildender Künstlerinnen und Künstler, in Malerei und Grafik, Collage und Objekt, Skulptur und Installation. Wie Sprache bzw. Schrift bildhaft werden und facettenreich als künstlerisches Material genutzt sind, davon erzählt die dies­jährige Festspielausstellung in der Galerie Mario Mauroner Contemporary Art Salzburg. Den komplexen Verstrickungen von Schrift und Bild ist bis Anfang September in den Galerieräumlichkeiten in der Residenz nachzuspüren.

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Margarethe Lasinger
Consulting Editor & Arts Management

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